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Meere & AbfallsystemeAktualisiert

Wie Plastikverschmutzung die Tierwelt im Meer schädigt

Robbe, die sich am Strand in einem Kunststoff-Fischernetz verfangen hat

VON CHLOE WONG | EARTH.ORG | 19. JANUAR 2022 | 4 MIN.

Wie Plastikverschmutzung die Tierwelt im Meer schädigt

Kunststoff gehört zum Alltag. Abfälle, die der Sammlung entgehen, können jedoch Meeresökosysteme und Tiere schädigen. Dieser im Januar 2022 veröffentlichte Beitrag behandelt Verschlucken, Verfangen und die Vermeidung von Einträgen ins Meer. Hinweise auf den erhöhten Verbrauch von Einwegmasken und Take-away-Verpackungen beziehen sich auf die Covid-19-Pandemie.

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Wie schwerwiegend ist die Plastikverschmutzung im Meer?

Ein 2020 veröffentlichtes Modell schätzte den Kunststoffeintrag ins Meer für 2016 auf elf Millionen Tonnen. Gemeint ist eine jährliche Abfallmenge, kein gemessener Anteil der Kunststoffproduktion von 2020. Produktion, Abfallaufkommen und Eintrag ins Meer sind unterschiedliche Größen.

Eine Studie von 2015 schätzte für 2014 eine Menge von 15–51 Billionen schwimmenden Kunststoffpartikeln mit einer Masse von 93.000–236.000 Tonnen. Diese Modellwerte für die Oberfläche erfassen nicht sämtlichen Kunststoff in der Wassersäule oder am Meeresboden und bedeuten keine Bedeckung von 40 % der Meeresfläche. Die Beständigkeit hängt von Material und Bedingungen ab; Zerfall in kleine Teile ist kein vollständiger biologischer Abbau.

Folgen für die Tierwelt

Jährlich sterben Millionen Tiere durch Kunststoff – von Vögeln und Fischen bis zu Blauwalen. Häufig verschlucken sie ihn oder verfangen sich darin.

2019 wurde ein kaum handtellergroßes Schildkrötenjunges tot aufgefunden. In seinem Magen lagen 104 Kunststoffteile.

Tiere verwechseln schwimmenden Kunststoff leicht mit Nahrung. Eine neue Studie dokumentiert die bislang höchste Zahl betroffener Arten: Bei 1.557 Arten weltweit, darunter vielen gefährdeten, wurde die Aufnahme von Kunststoff nachgewiesen. Mikroplastik – Partikel unter fünf Millimetern – passiert den Verdauungstrakt zwar häufig ohne erkennbare Folgen. Kunststoff kann aber auch den Verdauungstrakt verstopfen oder Organe durchstoßen. Tiere können ersticken, innere Verletzungen erleiden und sterben. Oder sie verhungern, weil Kunststoff ein Sättigungsgefühl erzeugt. Zudem verringert er das nutzbare Magenvolumen und kann die Nahrungsaufnahme unmöglich machen.

Bei vielen Meerestierarten wurde die Aufnahme von Kunststoff dokumentiert. Eine Seevogelstudie von 2015 prognostizierte bei Fortsetzung des modellierten Trends, dass bis 2050 99 % der Seevogelarten betroffen sein könnten. Die Zahl betrifft Arten, nicht jedes einzelne Tier und nicht sämtliche Schildkröten oder Meeressäuger. Sie ist eine Prognose, kein beobachtetes Ergebnis.

Versuche haben zudem Leber- und Zellschäden sowie Störungen des Fortpflanzungssystems durch Kunststoff bestätigt. Austern produzieren beispielsweise weniger Eier. Auch bei überlebenden Tieren, die weiter Kunststoff aufnehmen, kann die Fortpflanzungsfähigkeit sinken und damit der Bestand verschiedener Arten zurückgehen. Über die Nahrungskette gelangt das Material außerdem in größere Fische und Meeressäuger und schädigt weitere Tiere.

Meeressäuger können sich auch in Kunststoff verfangen. Im Lebensraum der stark gefährdeten Hawaii-Mönchsrobbe wurden große Mengen Kunststoff gefunden, auch in Aufzuchtgebieten. Beim gefährdeten Stellerschen Seelöwen steigen Verletzungen und Sterblichkeit durch Verstrickungen; Verpackungsbänder sind dabei das häufigste Material. Robben, Wale, Schildkröten und andere Tiere wurden durch zurückgelassene Fischereiausrüstung stranguliert aufgefunden.

Auch Menschen können über Nahrung, Wasser und Luft Mikroplastik aufnehmen. Ein Partikelnachweis in einem Tier oder Lebensmittel belegt für sich genommen weder die aufgenommene Dosis noch eine gesundheitliche Wirkung beim Menschen. Die WHO-Bewertung von 2022 benennt erhebliche Wissenslücken; entscheidend sind Partikeleigenschaften und Exposition. Schäden an Wildtieren sind kein Beweis für dieselben Schäden beim Menschen. (WHO, 2022)

Was können wir tun?

Den Kunststoffeinsatz auf null zu senken ist nahezu unmöglich. Schon weniger Kunststoff auf Deponien ist jedoch wichtig für Umwelt und Tierwelt. Der Bericht von Weltwirtschaftsforum und Kearney aus dem Jahr 2021 (Abbildung 7) verglich Mehrwegszenarien für 2030. In Szenario 1 entspricht ein Mehrweganteil von 10–20 % der verkauften Verpackungseinheiten einer Umstellung von 7–13 Millionen Tonnen Kunststoffverpackungen: 45–90 % der modellierten jährlichen Kunststoffabfallmenge, die ins Meer gelangt. Der untere Wert entspricht annähernd der Hälfte dieser Vergleichsmenge – nicht einer nachgewiesenen Halbierung der Meeresverschmutzung. In Szenario 3 entsprechen 40–70 % Mehrweg einer Umstellung von 26–46 Millionen Tonnen: 185–320 % der jährlichen Kunststoffeinträge ins Meer beziehungsweise 50–85 % der jährlich deponierten Kunststoffabfälle. Das sind Mengenvergleiche mit den im Bericht für 2030 hochgerechneten Abfallmengen, keine erreichten oder prognostizierten Reduktionsquoten dieser Abfallströme. Bei der Umrechnung von Verkaufseinheiten in Tonnen wird angenommen, dass die umgestellten Verpackungen hinsichtlich ihres Gewichts für den gesamten Verpackungsmix repräsentativ sind.

Weniger Kunststoff zu verbrauchen ist einfacher als gedacht. Bereits die Wiederverwendung und das Recycling von Taschen und Flaschen können große Mengen in kontrollierte Entsorgungswege lenken und das Risiko verringern, dass sie wieder ins Meer gelangen.

Einzelne Handlungen mögen angesichts der Größe der Welt gering erscheinen. Wer seine Gewohnheiten Schritt für Schritt ändert, kann jedoch vielen Tieren helfen. Ihr Einsatz kann die beschriebenen Probleme lindern und sogar dem gesamten Ökosystem zugutekommen.

Titelbild: Wikimedia Commons

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf Earth.Org und wird hier im Rahmen einer redaktionellen Vereinbarung erneut veröffentlicht.

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